Vor 80 Jahren…

Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Sechs Jahre lang kam das Vereinsleben praktisch völlig zum Erliegen. Die meisten jungen Bargauer wurden zur Wehrmacht eingezogen und mussten einen hohen Blutzoll entrichten. Auch viele Mitglieder des Turnvereins kehrten nicht mehr in die Heimat zurück.

Seit der „Gleichschaltung“ 1933 hatte sich auch der Sport der NS-Ideologie unterzuordnen. Die Turn- und Sportvereine wurden im Grunde mehr oder weniger zu Kriegsvorbereitungen herangezogen. „Wehrfreude“ oder „Wehrwilligkeit“ gehörten zu den gebräuchlichen Worten in der damaligen Presseberichterstattung.

Auch die Halle des TV Bargau wurde für die NS-Ziele missbraucht. Am Mittwoch, 19. Juli 1933, war in der Rems-Zeitung unter der Überschrift „Turnverein Bargau – Die Ideen der Deutschen Turnerschaft“ Folgendes zu lesen:

„Ein deutscher Mann, Friedrich Ludwig Jahn, war ihr Träger und Bahnbrecher der Turnkunst. Seine Arbeit war zuerst darauf gerichtet, durch seine Leibesübungen jeden einzelnen zu einer starken, kraftvollen und eigengearteten Persönlichkeit zu machen, aber seine Größe bestand darin, daß er mitten im Kampf nicht stehen blieb, sondern die gemeinschaftsbildende Kraft der Leibesübungen entdeckte und durch sie alle einzelnen zur Gemeinschaft zusammenband.

Kein Leibesübungen treibender Verband hat so viel, bis ins hohe Alter reichende Abteilungen, in denen frisches und fröhliches Turnerleben herrscht. Aber eben nur deshalb, weil es kein bloßes, äußerliches Tun ist, sondern weil die Idee des Jahnschen Turnertums hinter ihm steht, das ist Symbol für die Gesinnung, was wir Brüderlichkeit nennen, muß daher auch unsere ganze turnerische Arbeit zuletzt in Wehrarbeit und unsere ganze erzieherische Tätigkeit in Wehrwilligkeit bestehen.

Das wird nun am Sonntag, 23. Juli nachmittags 3 Uhr in der Turnhalle mit der Einzeichnung in die Turnerwehr, Stammrolle vom 14. bis 21. Lebensjahr, zum Ausdruck kommen. Da nun das Schießen eine unbedingte Notwendigkeit zur wehrhaften Ausbildung ist, wird gleichzeitig mit Zielmunition Gewehr 88 in der Halle geschossen. Hiezu sind alle Jünglinge ohne Unterschied der Vereinsangehörigkeit, sowie Freunde und Gönner vom Schießsport herzlich willkommen. Somit wird die Gründung der Turnerwehr im TV. Bargau ihren Anfang nehmen.“

 

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